Die Eichhörnchen von Manhattan

Hörnchen in NYC

Wer an Manhattan denkt, hat meist Hochhäuser und Straßen mit gelben Taxis im Kopf. Das es auf der Insel im Herzen New York Citys auch eine quicklebendige Tierwelt gibt, wissen nur diejenigen, die es erlebt haben. Und dabei rede ich nicht von den Mäusen und Ratten, die sich in den U-Bahnschächten tummeln und sich von der Bahnsteigkante gut beobachten lassen. (Das kann man übrigen auch in der Münchner U-Bahn.) Ich meine auch nicht die vielen Seevögel, die die Stadt und die Hafenanlagen bevölkern. Ich meine die Tierwelt in den Parks, dem großen Central Park, sowie den vielen kleineren Grünflächen, die es in der Stadt gibt.

Ich habe dort Waschbären gesehen und natürlich jede Menge Eichhörnchen. Genauer gesagt, das Amerikanische Grauhörnchen. Die sind etwas größer, als die bei uns heimischen Hörnchen und in den USA fast schon sowas wie eine Plage. Zugegeben, eine ziemlich niedliche Plage, wenn sie in den Ästen der Bäume umherspringen, oder auf den Wegen sitzen und die Passanten anbetteln. Die Eichhörnchen Manhattans sind an Menschen gewöhnt und können mitunter ziemlich dreist werden. Die Frechsten unter ihnen klettern einem schon mal die Hosenbeine hoch, wenn sie merken, das man etwas Fressbares in der Hand hält. Nur außerhalb der Innenstadt, beispielsweise in Flushing Meadow, verhalten sie sich noch wie scheue Wildtiere.

Ich war im Winter in NYC und da schlafen die Tiere eigentlich. Da sie jedoch auf Grund der begrenzten Fläche nicht genügend Wintervorräte anlegen können, sind sie in ihren Wachphasen oft am Betteln. Tierschützer haben damals aufgefordert, die Tiere mit Nahrung zu unterstützen. Deshalb hatte ich meist, wenn ich spazieren ging, eine Handvoll Erdnüsse in der Tasche, ungesalzen mit Schale, versteht sich. Das nebenstehende Foto zeigt mich und meine Mutter, wie wir im Januar 1999 im Washington Square Park ein Grauhörnchen füttern.

Das Amerikanische Grauhörnchen wurde übrigens nach England und Italien eingeschleppt und droht inzwischen das Eurasische Eichhörnchen zu verdrängen. Weshalb es in Großbritannien bereits zum Abschuss freigegeben wurde. Da die Tiere robuster sind, mehr Junge bekommen und eine Krankheit übertragen, gegen die das Eurasische Eichhörnchen nicht immun ist, wird es wohl nicht lange dauern, bis es auch bei uns heimisch ist.

Geistergeld

Quelle: gratiscomictag.de

Der Gratis Comic Tag 2019 ist schuld, dass ich nun eine fünf-bändige Reihe mit Graphic Novels im Schrank stehen habe. Die Ausgabe von »Ghost Money«, von der Band 1 – »Die Dame aus Dubai« – im Mai beim Gratis Comic Tag erschien, hat mich schlicht umgehauen. Der Politik-Thriller aus einer nahen Zukunft, ist nicht nur ausdrucksstark gezeichnet ist, sondern die Handlung weist viele spannende Facetten auf.

Die Geschichte spielt in den späten zwanziger Jahren des 21. Jahrhunderts. Hauptpersonen sind zwei junge Frauen. Lindsey ist Studentin in London und wird bei einer Demonstration auf der Flucht vor der Polizei von Chamza gerettet. Die schöne und außerordentlich reiche Frau verbirgt ein Geheimnis, dessen Ausmaß Lindsey nur bedingt erahnen kann und das die unschuldige Frau zunehmend in Gefahr bringt. Denn auch der amerikanische Geheimdienst ist an Chamzas Vermögen interessiert. Eine Bande ehemaliger Marines, die vor Jahrzehnten in Afghanistan gegen die Taliban gekämpft haben, werden auf Chamza angesetzt. Während sich Lindsey und Chamza dem Glanz des globalen Jet-Sets hingeben und Chamza sich in den Emir el Nur verliebt, sind ihnen die Männer vom Geheimdienst immer auf der Spur. Sie vermuten das Chamzas Geld aus dem Schatz der Taliban stammt, die kurz vor den Anschlägen vom 11. September 2001 an der Börse auf fallende Kurse gesetzt und nach dem Fall des World Trade Centers viel Geld verdient haben. Am Ende des ersten Bandes nehmen sie Chamza gefangen und setzen ihr heimlich einen Kamerachip ins Auge ein, so das sie fortan genau wissen, wo sie sich aufhält und mit wem sie redet. Doch das ist nur der Anfang der spannenden Geschichte um Verrat, Terror und die Freundschaft zwischen den beiden Frauen.

Die Handlung mäandert durch die fünf Bände. Es werden falsche Fährten gelegt und unerwartete Wendungen eingestrickt. Immer fragt man sich, aus welcher Richtung Gefahr für die jungen Frauen droht und wer mit wem unter einer Decke steckt. Die Antagonisten wechseln häufig von der bösen zur guten Seite und wieder zurück. So wissen Lindsey, Chamza und auch der Leser nie, wen man trauen darf. Erst kurz vor Schluss erfährt Lindsey, woher das Vermögen von Chamza tatsächlich stammt. Dazwischen wird ein komplexes Zusammenspiel von Geheimdiensten, Regierungen und Wirtschaftsunternehmen aufgedeckt. Am Ende steht die Welt vor einer unerwarteten Katastrophe. Es ist ein Ende, das man so nicht erwartet hat, obwohl es sich vorher ankündigt.

Der Szenerist Thierry Smolderen und der Zeichner Dominique Bertail haben visionären Weitblick bewiesen, als sie die Geschichte 2008 starteten. Denn die von ihnen beschriebene Welt mit einem geheimen weltumspannenden Bankensystem (der Black Cloud) ist heute schon Realität. Das Zusammenspiel aus Politik, Wirtschafts-Krimi und Science Fiction ist perfekt komponiert und fesselte mich Tage lang. Dazu kommen realistisch gezeichneten Bilder, die eine fast schon strenge Kühle ausstrahlen und sowohl modern als auch sehr natürlich wirken. Obwohl Band 5 bereits 2015 erschien, ist die erzählte Geschichte aktueller denn je.

Das Comics nicht nur für Kinder sind, sondern auch bei Erwachsenen funktionieren beweist »Ghost Money« höchst eindrucksvoll. Es ist ein Gesamtkunstwerk, das nach dem Lesen noch lange in Gedanken nachhallt. Sei es durch die Bilder oder durch die erschreckend wirklichkeitsnahe Geschichte zweier Frauen. Es erschien bei »Schreiber & Leser« und kann bei jedem Buchhändler bestellt werden. Es lohnt sich.